Sei' dort wo du blühen kannst

"Ich fühle mich heute so zerbrechlich", sagt sie und richtet ihren Blick in die Ferne. "Feines, dünnes Glas scheint sich um mich zu spannen und ich muss ganz vorsichtig und aufmerksam sein in dem, was ich tue. Ich bin, glaube ich, ein ganz zartes Wesen." Ich muss lächeln, als sie das sagt, denn ich empfinde eine so große Liebe ihr gegenüber. Und manchmal bricht es mir das Herz, wenn sie sich schwertut und sie von Zweifeln besucht wird.

So oft versuche ich ihr begreifbar zu machen, welch' strahlendes Licht in ihr steckt. Wenn sie am richtigen Ort in Ruhe wachsen dürfte, da bin ich mir sicher, wäre sie eine so besonders bunte und wunderschöne Blume. Sie hat es einmal so beschrieben, dass sie sich fühlt, wie irgendwo ausgegraben und nun in einen Boden eingesetzt, der ihr nicht die Nährstoffe gibt, die sie braucht. In einem Umfeld mit Pflanzen, die ihrer Gattung fremd sind.

 

"Deshalb versuche ich zu wachsen. Um zu sehen, was es noch gibt. Um einen Blick auf Gleichgesinnte zu erhaschen. Aber das kostet Kraft. Glaubst du ich kann mich eines Tages vielleicht einfach in einen Schmetterling verwandeln? Das wäre schön, dann könnte ich an den Ort fliegen, der mir genug Sonne gibt und den Regen. Wie kann ich das den anderen nur begreiflich machen?" 

"Ich glaube, dass du das nicht mit Worten tun kannst. So werden sie dich nicht verstehen. Tue, was dein Herz dir sagt, sei' gut zu dir und sie werden sehen, dass du blühen kannst. Es ist nicht deine Aufgabe, sie zu überzeugen. Sei‘ dort, wo es sich gut anfühlt."



 

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